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Pyrotechnik im Stadion: Was ist strafbar? Strafen und Folgen

Bengalo gezündet oder Ermittlungsverfahren wegen Pyrotechnik? Welche Strafen drohen und was jetzt zu tun ist, erklärt Ihr Strafverteidiger und Fachanwalt für Strafrecht in Bochum.

Kurz gesagt

  • Pyrotechnik im Stadion ist je nach Fall eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat. Im Raum stehen vor allem das Sprengstoffgesetz (§ 40 SprengG), gefährliche Körperverletzung (§ 224 StGB) und Sachbeschädigung (§ 303 StGB).
  • Ein Verbrechen (§ 308 StGB) kommt nur bei erheblichen Explosionen in Betracht, wenn Menschen gefährdet werden. Der Regelfall ist das nicht.
  • Dazu kommen Folgen außerhalb des Strafverfahrens: Stadionverbot, Regress des Vereins und Eintrag in die Datei „Gewalttäter Sport“.
  • Bei einer Vorladung oder einem Strafbefehl: zunächst nichts sagen und die Akte über einen Verteidiger einsehen.

Warum ist Pyrotechnik im Stadion verboten?

Bengalos, Rauchtöpfe und Böller gehören für viele Fans zur Fankultur. Rechtlich ist die Lage trotzdem eindeutig: Das Mitbringen und Zünden ist durch die Stadionordnung der Vereine und das Hausrecht untersagt. Dazu kommt das Sprengstoffgesetz (SprengG). Es regelt, wer mit pyrotechnischen Gegenständen umgehen und sie abbrennen darf. Das übliche Silvesterfeuerwerk der Kategorie F2 darf nach den Regeln des Sprengstoffrechts zum Beispiel nur an Silvester und Neujahr gezündet werden, und schwerere Pyrotechnik ist nur Personen mit besonderer Erlaubnis oder Fachkunde erlaubt. Bengalische Fackeln und viele Böller aus der Fanszene fallen nicht unter das, was Privatpersonen frei erwerben und verwenden dürfen.

Hinzu kommt die konkrete Gefahr: Bengalos brennen mit sehr hohen Temperaturen, Böller können schwere Verletzungen an Augen und Gehör verursachen, und im Gedränge reicht schon ein kurzer Moment. Genau deshalb reagieren Staatsanwaltschaften und Gerichte häufig streng, sobald Menschen verletzt oder gefährdet werden.

Bengalo zünden: Ordnungswidrigkeit oder Straftat?

Ob eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat vorliegt, hängt vor allem davon ab, welche Pyrotechnik verwendet wurde und ob jemand gefährdet oder verletzt wurde. Die wichtigsten Strafrahmen im Überblick:

VorschriftStrafrahmenWann
§ 41 SprengGBußgeld, gesetzlicher Rahmen bis 50.000 EuroVerstoß gegen Verwendungsregeln bei zugelassener (konformitätsbewerteter) Pyrotechnik ist eine Ordnungswidrigkeit. In der Praxis liegen die Bußgelder deutlich darunter.
§ 40 Abs. 1 SprengGFreiheitsstrafe bis 3 Jahre oder GeldstrafeUmgang mit oder Erwerb von explosionsgefährlichen Stoffen ohne die erforderliche Erlaubnis.
§ 40 Abs. 3 SprengGFreiheitsstrafe bis 5 Jahre oder GeldstrafeDer Täter gefährdet dabei wissentlich Leib oder Leben oder fremde Sachen von bedeutendem Wert.
§ 40 Abs. 4 SprengGFreiheitsstrafe bis 1 Jahr oder GeldstrafeAuch fahrlässiges Handeln kann strafbar sein.
§ 224 StGB6 Monate bis 10 Jahre, minder schwer 3 Monate bis 5 JahreGefährliche Körperverletzung, etwa durch Bengalo oder Böller als gefährliches Werkzeug.
§ 308 StGBMindestens 1 Jahr FreiheitsstrafeSprengstoffexplosion mit Gefährdung von Menschen oder bedeutenden Sachwerten.

Für zugelassene Pyrotechnik gilt eine Ausnahme nach § 40 Abs. 5 SprengG für Teile der Vorschrift. Die Abgrenzung ist im Einzelfall nicht immer einfach. Ein Bußgeldbescheid oder ein Strafbefehl sollte deshalb nie ungeprüft akzeptiert werden.

Bengalos in der Öffentlichkeit zünden: Was gilt außerhalb des Stadions?

Das Sprengstoffgesetz gilt nicht nur im Stadion. Auch auf der Straße, auf Plätzen oder bei Veranstaltungen ist der Umgang mit Bengalos und vergleichbarer Pyrotechnik nur eingeschränkt erlaubt. Ohne die erforderliche Erlaubnis oder Befähigung drohen auch dort Bußgeld oder Strafe. Werden Menschen gefährdet oder verletzt, kommen zusätzlich die Straftatbestände des Strafgesetzbuchs in Betracht.

Welche Straftatbestände kommen sonst in Betracht?

Neben dem Sprengstoffgesetz prüfen die Ermittlungsbehörden je nach Sachverhalt unter anderem:

  • Gefährliche Körperverletzung (§§ 223, 224 StGB): Bengalos und Böller gelten meist als gefährliche Werkzeuge, und wer sie aus einer Gruppe heraus einsetzt, kann zusätzlich eine gemeinschaftliche Begehung verwirklichen (mehr dazu auf unserer Seite zur gefährlichen Körperverletzung).
  • Schwere Körperverletzung (§ 226 StGB): Verliert ein Mensch durch eine Explosion zum Beispiel das Sehvermögen auf einem Auge oder das Gehör, ist das ein Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr.
  • Fahrlässige Körperverletzung (§ 229 StGB): Fehlt der Vorsatz, kommt eine Strafbarkeit wegen Fahrlässigkeit in Betracht.
  • Sachbeschädigung (§ 303 StGB): Brandlöcher, beschädigte Sitze oder Banden können eine Sachbeschädigung sein.
  • Brandstiftung (§§ 306 ff. StGB): Bei Bränden an Gebäuden oder Anlagen kann auch dieser Bereich eröffnet sein.
  • Landfriedensbruch (§ 125 StGB): Gewalttätigkeiten aus einer Menschenmenge heraus können als Landfriedensbruch verfolgt werden. Die Rechtsprechung geht von einer Menschenmenge ab etwa 15 bis 20 Personen aus.

Wann wird Pyrotechnik zum Verbrechen? § 308 StGB

§ 308 StGB stellt das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion unter Strafe, wenn dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet werden. Das ist ein Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe, bei einer schweren Gesundheitsschädigung einer großen Zahl von Menschen von mindestens zwei Jahren. Gemeint sind vor allem erhebliche Explosionen, etwa durch illegale Böller. Kleinere Effekte handelsüblicher Feuerwerkskörper werden nach überwiegender Auffassung nicht erfasst.

Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 8. Dezember 2021 (3 StR 264/21) einen Fall aus dem Kölner Stadion entschieden:

21Menschen wurden verletzt, als ein Fan beim Spiel gegen Mönchengladbach einen verbotenen Böller in den Innenraum warf.
3 J. 3 M.Freiheitsstrafe verhängte das Landgericht Köln. Der BGH bestätigte das Urteil.
14Betroffene können nach dem BGH bereits eine „große Zahl von Menschen“ im Sinne von § 308 Abs. 2 StGB sein.

Das zeigt, wie weit der Strafrahmen reichen kann. Der Regelfall im Stadion ist das allerdings nicht: Die meisten Verfahren betreffen Bengalos und Rauchtöpfe, bei denen es um Sprengstoffgesetz, Körperverletzung oder Sachbeschädigung geht. Mehr zur Abgrenzung finden Sie in unserem Beitrag Ist Pyrotechnik ein Verbrechen?.

Vermummung und Blockfahne

In der Fanszene wird Pyrotechnik oft hinter einer Blockfahne oder in einer vermummten Gruppe gezündet, damit Kameras die Beteiligten nicht erkennen. Das kann ein eigenes Verfahren auslösen. In Nordrhein-Westfalen ist das Vermummungsverbot im Versammlungsgesetz NRW geregelt (§ 17 Abs. 1 Nr. 1 VersG NRW). Ein Verstoß ist nach § 27 Abs. 7 VersG NRW strafbar und kann mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden.

Das Oberlandesgericht Hamm hat 2017 (Beschluss vom 7. September 2017, 4 RVs 97/17) entschieden, dass auch ein Fußballspiel unter freiem Himmel unter das Vermummungsverbot fallen kann und die Veranstaltung nicht mit dem Abpfiff endet. In dem Fall hatte sich ein Auswärtsfan nach dem Spiel auf dem Gästeparkplatz vermummt. Die Entscheidung erging noch nach der früheren Rechtslage, ob und wie sie auf das neue Landesgesetz übertragen wird, ist im Einzelfall zu prüfen.

Wer die Blockfahne hochzieht, damit andere unerkannt bleiben, kann sich unter Umständen als Gehilfe strafbar machen. Auch hier kommt es auf den konkreten Tatbeitrag und den Vorsatz an.

Wie ermittelt die Polizei bei Pyrotechnik?

Meist beginnt das Verfahren mit Videoaufnahmen der Polizei, des Vereins oder von Zuschauern. Szenekundige Beamte, Ordner und Kameras dokumentieren Auffälligkeiten, und im Nachgang versuchen die Ermittler, Personen zu identifizieren. Dabei kommen Lichtbildvergleiche, Hinweise von Zeugen, Auswertungen von Social-Media-Material und in manchen Fällen Wohnungsdurchsuchungen und Beschlagnahmen von Handys hinzu (siehe Hausdurchsuchung: Wie verhalte ich mich richtig?).

Wichtig: Die Identifizierung ist häufig der schwächste Punkt der Anklage. Die Bildqualität ist oft schlecht, Gesichter sind verdeckt, und ein Vergleich mit Fotos beweist nicht ohne Weiteres, dass der Beschuldigte der Täter ist. Genau hier setzt die Verteidigung an.

Welche Folgen drohen außerhalb des Strafverfahrens?

Auch wenn das Strafverfahren eingestellt wird oder mit einer Geldstrafe endet, bleiben oft weitere Konsequenzen:

VerbotStadionverbot. Vereine und Verbände sprechen Stadionverbote aus, die häufig mehrere Jahre dauern und bundesweit gelten können. Sie beruhen auf dem Hausrecht und sind keine Strafe im Sinne des Strafrechts. Der Bundesgerichtshof (Urteil vom 30.10.2009, V ZR 253/08) und das Bundesverfassungsgericht (Beschluss vom 11.04.2018, 1 BvR 3080/09) verlangen einen sachlichen Grund. Ein bloßer Verdacht muss belegbar sein. Gegen ein Stadionverbot kann man sich wehren.
DateiDatei „Gewalttäter Sport“. Wer im Zusammenhang mit Fußballspielen auffällig wird, kann in die polizeiliche Datei aufgenommen werden. Das kann Meldeauflagen, Ausreiseverbote oder Kontrollen zur Folge haben (mehr dazu unter Datei „Gewalttäter Sport“).
RegressRegress des Vereins. Der Verein gibt Strafen des DFB oft an die Verursacher weiter. Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 22.09.2016 (VII ZR 14/16) entschieden, dass ein Zuschauer, der einen Knallkörper im Stadion zündet, dem Verein grundsätzlich für die dadurch verursachten DFB-Geldstrafen haften kann. Die Summen können sehr hoch ausfallen.
EintragVorstrafe. Je nach Höhe der Strafe steht ein Eintrag im Führungszeugnis im Raum (siehe Wann bekomme ich einen Eintrag ins Führungszeugnis?).

Pyrotechnik gezündet: Was Sie bei einem Vorwurf tun sollten

  1. Keine Angaben ohne Anwalt. Sie müssen weder bei der Polizei noch gegenüber dem Verein etwas sagen. Nutzen Sie dieses Recht, bis Ihr Verteidiger die Akte kennt (siehe Das Schweigerecht des Beschuldigten).
  2. Vorladung oder Anhörungsbogen nicht ausfüllen. Reagieren Sie nicht vorschnell. Hinweise finden Sie unter Vorladung als Beschuldigter und Anhörungsbogen erhalten.
  3. Einen Strafverteidiger beauftragen. Ein Strafverteidiger in Bochum, etwa ein Fachanwalt für Strafrecht, beantragt Akteneinsicht und verschafft Ihnen Einblick in Videos, Fotos und Vermerke, die Sie selbst nicht sehen.
  4. Fristen beachten. Gegen einen Strafbefehl gilt eine Einspruchsfrist von zwei Wochen. Auch für die Stellungnahme zu einem Stadionverbot gelten kurze Fristen.
  5. Nichts löschen, nichts verabreden. Löschen Sie keine Chats und sprechen Sie sich nicht mit anderen Beteiligten über den Vorwurf ab. Das kann später gegen Sie verwendet werden.

Wie sieht die Verteidigung bei Pyrotechnik aus?

Je nach Fall kommen verschiedene Ansatzpunkte in Betracht:

  • Identifizierung: War die Person auf den Aufnahmen sicher zu erkennen? Reichen Qualität, Perspektive und Vergleichsmaterial aus? Ein Sachverständigengutachten kann in manchen Fällen sinnvoll sein.
  • Tatbeitrag: Wer hat tatsächlich gezündet, wer war nur anwesend? Allein die Zugehörigkeit zu einer Gruppe begründet noch keine Strafbarkeit.
  • Vorsatz und Gefahr: Wurde jemand konkret gefährdet? War die Gefahr erkennbar? Welche Pyrotechnik war es überhaupt?
  • Verfahrensfehler: Beweisverwertung, Durchsuchungsbeschlüsse und Auswertung von Handys sind regelmäßig prüfenswert.
  • Einstellung des Verfahrens: Bei geringer Schuld und fehlenden Vorstrafen kommt in geeigneten Fällen eine Einstellung nach § 153 oder § 153a StPO in Betracht, etwa gegen Auflage.

In schweren Fällen, etwa bei Verletzten, kann die Mitwirkung eines Pflichtverteidigers notwendig sein (siehe Pflichtverteidiger im Strafrecht).

FAQ

Häufige Fragen zu Pyrotechnik im Stadion

Nein. Je nach Pyrotechnik kann es sich um eine Ordnungswidrigkeit handeln. Strafbar wird es vor allem bei unerlaubtem Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen, bei Verletzungen, Gefährdungen oder Sachschäden. Der Einzelfall entscheidet.

Das hängt vom Einzelfall ab. Der Rahmen reicht von einem Bußgeld bis zu Freiheitsstrafen, etwa bis zu drei Jahren nach § 40 Abs. 1 SprengG. Bei Verletzten kommt eine gefährliche Körperverletzung mit mindestens sechs Monaten Freiheitsstrafe in Betracht.

In der Regel nicht. Ein Verbrechen setzt eine Mindeststrafe von einem Jahr voraus. Das ist bei den üblichen Delikten rund um Bengalos meist nicht der Fall. Anders kann es bei erheblichen Explosionen (§ 308 StGB) oder schweren Verletzungen (§ 226 StGB) sein.

Ja, in vielen Fällen. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Zuschauer, die Pyrotechnik zünden, für die DFB-Strafen haften können, die dem Verein dadurch entstehen.

Das hängt vom Verein und vom Vorwurf ab. Stadionverbote werden häufig für mehrere Jahre ausgesprochen. Es lohnt sich, die Begründung prüfen zu lassen und rechtzeitig Stellung zu nehmen.

Auch Rauchtöpfe und ähnliche Rauchmittel können pyrotechnische Gegenstände sein, deren Verwendung im Stadion unzulässig ist. Je nach Einsatz kommen Ordnungswidrigkeit, Körperverletzung oder weitere Delikte in Betracht.

Als Beschuldigter müssen Sie einer polizeilichen Vorladung nicht folgen und sich nicht zur Sache äußern. Zu einer Vorladung der Staatsanwaltschaft oder des Gerichts müssen Sie erscheinen. Lassen Sie sich vorher anwaltlich beraten.

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Wer gespeichert wird und was daraus folgt.

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Landfriedensbruch (§ 125 StGB)

Gewalt aus der Menschenmenge heraus.

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