Handy von der Polizei beschlagnahmt: Was dürfen die Beamten, müssen Sie die PIN nennen, und wie bekommen Sie das Gerät zurück? Das erklärt Ihr Strafverteidiger und Fachanwalt für Strafrecht in Bochum.
Kurz gesagt
Im Alltag werden beide Begriffe gleichgesetzt, rechtlich gibt es einen Unterschied:
Sicherstellung
Beschlagnahme
Das hat praktische Folgen: Wer der Maßnahme ausdrücklich widerspricht und dies ins Protokoll aufnehmen lässt, vermeidet, dass später von einer freiwilligen Herausgabe gesprochen wird. Gleichzeitig gilt: Leisten Sie keinen Widerstand.
Voraussetzung ist ein Anfangsverdacht einer Straftat und die Eignung des Handys als Beweismittel. Das Gesetz verlangt außerdem, dass die Maßnahme verhältnismäßig ist. Ein Smartphone enthält Chats, Fotos, Standortdaten und oft intime Informationen. Deshalb ist der Eingriff in die Grundrechte erheblich. Die Polizei darf ein Handy regelmäßig mitnehmen:
Als Beschuldigter müssen Sie nicht an Ihrer eigenen Überführung mitwirken. Die Antwort unterscheidet sich aber je nach Art der Sperre:
PIN und Passwort
Fingerabdruck und Gesicht
Mehr dazu in unserem Beitrag Darf die Polizei mein Handy zwangsweise entsperren?. Wichtig: Löschen Sie nichts und lösen Sie keine Fernlöschung aus. Das kann als Verdunkelung gewertet werden und im schlimmsten Fall Untersuchungshaft begründen. Gespräche mit Ihrem Verteidiger sind grundsätzlich geschützt.
Nach der Sicherstellung wird das Handy in der Regel forensisch ausgelesen. Die Ermittler erstellen oft eine Kopie des gesamten Datenbestands (eine sogenannte Spiegelung) und durchsuchen sie nach relevanten Inhalten. Das Gesetz spricht von der Durchsicht (§ 110 StPO). Dabei können Nachrichten, Fotos, Kontakte, Anruflisten und Standortdaten ausgewertet werden. Auch der Zugriff auf Cloud-Daten und Messenger kommt in Betracht (siehe Kann die Polizei WhatsApp-Nachrichten mitlesen?). Dabei gelten Grenzen:
Eine feste Frist gibt es nicht. Ein Handy darf so lange einbehalten werden, wie es als Beweismittel benötigt wird.
Die Maßnahme muss aber verhältnismäßig bleiben und das Verfahren zügig geführt werden. Ist das Gerät gespiegelt und ausgewertet, fehlt in der Regel der Grund für eine weitere Verwahrung. Dann können Sie die Herausgabe beantragen. Wenn das Handy als Tatmittel oder Tatertrag eingezogen werden soll, kann es auch dauerhaft verloren gehen. Dazu bedarf es einer gerichtlichen Entscheidung.
Es gibt mehrere Wege, die ein Verteidiger prüft:
Ein Verwertungsverbot folgt aus einer rechtswidrigen Beschlagnahme nicht automatisch. Es entscheidet eine Abwägung im Einzelfall, und der Verwertung muss rechtzeitig in der Hauptverhandlung widersprochen werden. Auch das gehört in die Hände eines Verteidigers.
Wird das Verfahren später eingestellt oder werden Sie freigesprochen, können Sie unter Umständen eine Entschädigung für die Beschlagnahme verlangen. Das Strafverfolgungsentschädigungsgesetz zählt Sicherstellung, Beschlagnahme und Durchsuchung zu den Strafverfolgungsmaßnahmen, für die der Staat einstehen kann (§ 2 Abs. 2 Nr. 4 StrEG). Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag Unschuldig in Haft: Haftentschädigung.
Ein Strafverteidiger in Bochum, etwa ein Fachanwalt für Strafrecht, beantragt Akteneinsicht, prüft die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahme und setzt sich für die Herausgabe Ihres Handys ein.
Nur in engen Ausnahmefällen, etwa bei Gefahr im Verzug oder bei freiwilliger Herausgabe. Sonst ist eine richterliche Anordnung erforderlich.
Ein bloßes Durchsehen der Inhalte ohne Anfangsverdacht ist nicht zulässig. Besteht ein Anfangsverdacht, darf die Polizei das Gerät sicherstellen. Die Durchsicht der Daten richtet sich dann nach § 110 StPO.
Nein. Als Beschuldigter müssen Sie sich nicht selbst belasten. Bei biometrischen Merkmalen gibt es allerdings Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, die eine zwangsweise Entsperrung unter Voraussetzungen zulässt.
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten oder Jahren ist alles möglich. Fragen Sie über Ihren Verteidiger nach dem Verfahrensstand.
Wenn es nicht eingezogen wird, ja. Sobald es als Beweismittel nicht mehr gebraucht wird oder eine Kopie vorliegt, sollten Sie die Herausgabe beantragen.
Das ist im Einzelfall möglich und rechtlich umstritten. Die Anforderungen hängen von der Art des Zugriffs ab.
Nein, Sie sollten nichts löschen und keine Fernlöschung auslösen. Das kann als Verdunkelung gewertet werden und im schlimmsten Fall Untersuchungshaft begründen.
Ja. Sie können ein neues Gerät nutzen. Achten Sie aber darauf, keine Daten aus Cloud-Konten zu löschen, da das Folgen für das Verfahren haben kann.
Rechte und Verhalten bei der Durchsuchung.
Weiterlesen →Fingerabdruck, Face-ID und PIN im Vergleich.
Weiterlesen →Wann Chats und Cloud-Daten ausgewertet werden dürfen.
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Sie suchen einen Strafverteidiger, einen Rechtsanwalt für Strafrecht oder einen Fachanwalt für Strafrecht in Bochum? Wir sind auf das Strafrecht spezialisiert und bundesweit tätig, beide Anwälte sind Fachanwälte für Strafrecht. Wir prüfen die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahme, beantragen Akteneinsicht und setzen uns für die Herausgabe Ihres Handys ein. Mehr zu unserer Arbeit finden Sie auf der Seite Strafverteidiger in Bochum. Mandanten vertreten wir auch in Dortmund, Essen und im übrigen Ruhrgebiet.
Das Erstgespräch ist ein Beratungsgespräch zu Ihrem Fall. Wenn bei Ihnen durchsucht wurde oder die Polizei Ihr Handy mitgenommen hat, melden Sie sich bitte, bevor Sie sich äußern.
Rufen Sie uns an unter 0234 93823777 oder schreiben Sie an kanzlei@schumannundrasch.de. Unser Büro ist Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr besetzt. Nachrichten erreichen uns jederzeit, außerhalb der Bürozeiten sind wir nur im Notfall telefonisch erreichbar, etwa bei einer Festnahme oder Durchsuchung.
Wir sind auch im gesamten Ruhrgebiet für Sie da. Zum Beispiel in Dortmund, Essen, Herne, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Witten, Hattingen und Castrop-Rauxel.
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