Rechtsanwalt Strafrecht Bochum · Beschuldigtenrechte

Schweigerecht des Beschuldigten: Wann und wie Sie schweigen dürfen

Wann dürfen Sie schweigen, was müssen Sie angeben und was passiert, wenn Sie nichts sagen? Ihr Strafverteidiger in Bochum erklärt Ihr Schweigerecht.

Kurz gesagt

  • Als Beschuldigter müssen Sie sich zur Sache nicht äußern. Darüber muss Sie die Polizei vor der ersten Vernehmung belehren (§ 136 Abs. 1 Satz 2, § 163a Abs. 4 Satz 2 StPO). Pflichtangaben gibt es nur zur Person.
  • Vollständiges Schweigen darf nicht zu Ihrem Nachteil gewertet werden. Zu einer Vorladung der Polizei müssen Sie nicht erscheinen, bei der Staatsanwaltschaft und beim Gericht schon.
  • Die beste Strategie ist in der Regel: zunächst schweigen, einen Verteidiger einschalten, Akteneinsicht nehmen und erst dann entscheiden, ob und wie Sie sich äußern.

Was bedeutet das Schweigerecht des Beschuldigten?

Das Schweigerecht beruht auf dem Grundsatz, dass niemand gezwungen werden darf, sich selbst zu belasten. Sie dürfen jederzeit schweigen, auch mittendrin. Es kommt nicht darauf an, ob Sie schuldig oder unschuldig sind. Das Strafverfahrensrecht regelt es so:

StadiumWas das Gesetz verlangt
Vernehmung durch Polizei und StaatsanwaltschaftDer Beschuldigte muss darauf hingewiesen werden, dass es ihm nach dem Gesetz freisteht, sich zu der Beschuldigung zu äußern oder nicht zur Sache auszusagen, und dass er jederzeit einen Verteidiger befragen kann (§ 136 Abs. 1 Satz 2, § 163a Abs. 4 Satz 2 StPO).
HauptverhandlungAuch vor Gericht wird der Angeklagte belehrt, dass es ihm freisteht, sich zur Anklage zu äußern oder nicht zur Sache auszusagen (§ 243 Abs. 5 Satz 1 StPO).
BußgeldverfahrenAuch Betroffene müssen sich nicht zur Sache äußern. Die Vorschriften der Strafprozessordnung gelten entsprechend (§ 46 OWiG).

Warum Schweigen meist die bessere Wahl ist

Zu Beginn kennen Sie die Akte nicht und wissen nicht, welche Beweise vorliegen. Wer zu früh aussagt, verbaut sich oft die besten Verteidigungsmöglichkeiten.

Gründe fürs Schweigen

  • Sie kennen die Akte nicht und wissen nicht, welche Beweise vorliegen.
  • Aussagen werden protokolliert und bleiben dauerhaft in der Akte. Auch spätere Korrekturen stehen dort.
  • Schon kleine Ungenauigkeiten oder Nervosität können als Widerspruch ausgelegt werden.
  • Sie können ungewollt Beweise liefern, zum Beispiel zum Tatort, zu Beteiligten oder zu Ihrem Wissen.

Wann eine Aussage sinnvoll sein kann

  • Wenn eine Einlassung entlastet und der Verteidiger sie anhand der Akte für sinnvoll hält
  • Wenn eine schriftliche Erklärung des Verteidigers genügt, ohne dass Sie selbst vernommen werden
  • Wenn nach Akteneinsicht eine gezielte Einlassung die Verteidigung planvoll aufbaut

Was müssen Sie trotz Schweigerecht angeben?

Zur Sache müssen Sie nichts sagen. Zur Person gibt es dagegen Pflichten. Wer einer zuständigen Behörde über Vor- und Familiennamen, Geburtsnamen, Geburtsort und -datum, Familienstand, Beruf, Wohnort, Wohnung oder Staatsangehörigkeit eine unrichtige Angabe macht oder die Angabe verweigert, handelt nach § 111 OWiG ordnungswidrig. Bei einer Identitätsfeststellung müssen Sie außerdem hinnehmen, dass die Polizei sie nach § 163b StPO durchführt.

PersonName, Geburtsdatum und -ort, Anschrift, Staatsangehörigkeit, Familienstand und Beruf müssen Sie angeben
SacheZur Tat, zu Ihrem Einkommen und zu Ihrem Umfeld müssen Sie nichts sagen

Bei Fragen wie „Wo waren Sie am Samstagabend?“ sollten Sie auf Ihr Schweigerecht verweisen.

Müssen Sie zur Polizei, Staatsanwaltschaft oder zum Gericht gehen?

StellePflicht zu erscheinen?
PolizeiNein. Einer Vorladung als Beschuldigter müssen Sie nicht folgen. Sie müssen sich auch nicht schriftlich äußern.
StaatsanwaltschaftJa. Hier besteht die Pflicht, einer Ladung zu folgen (§ 163a Abs. 3 StPO). Das heißt nicht, dass Sie aussagen müssen.
GerichtJa. Der Angeklagte muss zur Hauptverhandlung erscheinen. Erscheint er unentschuldigt, kann ein Haftbefehl oder eine Vorführung drohen.

Wie Sie auf eine Ladung reagieren, lesen Sie unter Vorladung als Beschuldigter von der Polizei erhalten und Anhörungsbogen erhalten.

Darf Schweigen vor Gericht gegen Sie verwendet werden?

Wer vollständig schweigt, darf deshalb nicht benachteiligt werden. Das Gericht darf das Schweigen weder als Schuldeingeständnis noch zu Ihren Lasten werten.

Vorsicht bei Teilschweigen: Anders kann es sein, wenn Sie nur teilweise Angaben machen und zu bestimmten Punkten schweigen oder Fragen nicht beantworten. Diese Lücken kann das Gericht nach der ständigen Rechtsprechung bei der Beweiswürdigung berücksichtigen. Wer zu Einzelheiten schweigen will, sollte das deshalb vorher mit dem Verteidiger besprechen.

Schweigerecht oder Aussageverweigerungsrecht? Der Unterschied zum Zeugen

Für Beschuldigte spricht man vom Schweigerecht. Zeugen haben andere Rechte und Pflichten:

RolleWas gilt?
Beschuldigter und AngeklagterSchweigerecht zur Sache (§ 136, § 243 Abs. 5 StPO). Keine Pflicht, auszusagen.
ZeugeZeugen müssen erscheinen und wahrheitsgemäß aussagen. Sie dürfen aber die Auskunft auf Fragen verweigern, durch deren Beantwortung sie sich oder nahe Angehörige der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aussetzen würden (§ 55 StPO).
Nahe AngehörigeSie haben außerdem ein Zeugnisverweigerungsrecht (§ 52 StPO).
Betroffener im BußgeldverfahrenEbenfalls Schweigerecht. Pflichtangaben nur zur Person. Beim Anhörungsbogen müssen Sie sich weder als Fahrer bekennen noch Angaben zur Sache machen.

Wer als Zeuge zum Beschuldigten werden könnte, sollte sich vor der Aussage anwaltlich beraten lassen.

Was ist, wenn die Belehrung fehlt?

Wird ein Beschuldigter nicht oder fehlerhaft belehrt, kann seine Aussage unverwertbar sein. Das gilt aber nicht automatisch. Der Verteidiger muss in der Hauptverhandlung der Verwertung rechtzeitig widersprechen (sogenannte Widerspruchslösung), nämlich spätestens zu dem in § 257 StPO bezeichneten Zeitpunkt. Das Gericht wägt dann ab, ob die Aussage verwertet werden darf.

Auch nach der Belehrung ist Vorsicht geboten bei:

Gefährliche Situationen

  • Gespräche am Rande: Äußerungen bei einer Kontrolle, auf dem Weg zur Wache oder im Streifenwagen können als Spontanäußerungen verwertet werden.
  • Informatorische Befragungen: Die Polizei fragt manchmal, bevor sie jemanden förmlich als Beschuldigten behandelt. Auch das kann später relevant sein.

Weitere Fallen

  • Gespräche mit Mitgefangenen, Bekannten oder Vertrauenspersonen der Polizei: Das Gesagte kann gegen Sie verwendet werden.
  • Freiwillige Zustimmung zu Maßnahmen, etwa zur Durchsuchung oder zum Entsperren des Handys (siehe Handy entsperren)

Zu unzulässigen Methoden bei der Vernehmung lesen Sie Verbotene Vernehmungsmethoden.

Darf ich als Beschuldigter lügen?

Ein Beschuldigter macht sich nicht allein dadurch strafbar, dass er falsche Angaben zu seiner Tat macht. Trotzdem ist das keine gute Idee. Unwahre Angaben können als Widerspruch zu anderen Beweisen auffallen, die Glaubwürdigkeit zerstören und sich bei der Strafzumessung auswirken. Wer andere zu Unrecht belastet, kann sich wegen falscher Verdächtigung (§ 164 StGB) oder Verleumdung strafbar machen. Schweigen oder eine gut vorbereitete Einlassung ist deshalb die sichere Alternative.

Was sagen Sie bei der Polizei? So verhalten Sie sich in der Praxis

  1. Sagen Sie ruhig und klar: „Ich mache von meinem Schweigerecht Gebrauch und stimme keiner Maßnahme freiwillig zu. Ich möchte zuerst mit einem Rechtsanwalt sprechen.“
  2. Nennen Sie nur Ihre Personalien.
  3. Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht verstehen.
  4. Lassen Sie sich nicht auf „informelle Gespräche“ ein, auch wenn sie freundlich wirken.
  5. Rufen Sie sofort einen Strafverteidiger an. Bei Festnahme oder Durchsuchung gilt das erst recht (siehe Hausdurchsuchung: Wie verhalte ich mich richtig?).
  6. Notieren Sie anschließend, was gesagt wurde, und geben Sie die Notizen nur Ihrem Anwalt.

Ob Sie einen Pflichtverteidiger bekommen, erfahren Sie unter Pflichtverteidiger im Strafrecht. Bei einer Festnahme kann es um die Untersuchungshaft gehen (siehe Untersuchungshaft: Haftgründe, Dauer und Ihre Rechte).

Was sollten Beschuldigte beachten? Die Rolle des Strafverteidigers

Ein Strafverteidiger in Bochum, etwa ein Fachanwalt für Strafrecht, übernimmt vor der ersten Aussage die Kommunikation mit den Ermittlungsbehörden. Das bringt Ihnen:

AkteDer Verteidiger erhält Akteneinsicht und verschafft sich einen Überblick über die Vorwürfe und Beweise
AnalyseEr prüft, welche Angaben nützlich und welche gefährlich wären
EinlassungWenn eine Äußerung sinnvoll ist, formuliert er sie schriftlich oder bereitet Sie auf die Vernehmung vor
BegleitungEr begleitet Sie zu Vernehmungen und achtet auf Ihre Rechte, zum Beispiel auf die Belehrung
ZielEr wirkt auf Einstellung oder eine günstige Erledigung hin
FAQ

Häufige Fragen zum Schweigerecht

Nein. Als Beschuldigter müssen Sie der Polizei nicht folgen. Bei Staatsanwaltschaft und Gericht besteht dagegen eine Pflicht zum Erscheinen.

Vollständiges Schweigen darf nicht zu Ihrem Nachteil gewertet werden. Bei Teilschweigen kann das anders sein.

Nur Angaben zur Person, zum Beispiel Name, Geburtsdatum und Anschrift. Zur Sache müssen Sie nichts sagen.

Nein. Zwang, Drohungen oder Täuschung sind bei der Vernehmung verboten. Aussagen, die auf solchen Methoden beruhen, dürfen nicht verwertet werden.

Ja. Auch Betroffene müssen sich nicht zur Sache äußern.

Jederzeit, auch vor der ersten Vernehmung. Sie dürfen verlangen, vor einer Aussage einen Verteidiger zu sprechen.

Nicht ohne Weiteres. Der Verteidiger muss der Verwertung aber rechtzeitig widersprechen.

Eine Aussage bleibt in der Akte und kann berücksichtigt werden. Sie können sie später ergänzen oder berichtigen, die ursprüngliche Aussage verschwindet dadurch aber nicht. Deshalb sollte vorher ein Verteidiger beraten.

Beschuldigte haben ein Schweigerecht zur Sache. Zeugen müssen grundsätzlich aussagen, dürfen aber in bestimmten Fällen die Auskunft oder das Zeugnis verweigern.

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Ihr Strafverteidiger in Bochum, bevor Sie etwas sagen

Bei einem Strafvorwurf kommt es darauf an, wer Sie verteidigt. Unsere Kanzlei sitzt in Bochum, ist auf das Strafrecht spezialisiert und bundesweit tätig, beide Anwälte sind Fachanwälte für Strafrecht. Wir beraten Sie vor der ersten Aussage, nehmen Akteneinsicht und entwickeln mit Ihnen die Verteidigungsstrategie. Mehr zu unserer Arbeit finden Sie auf der Seite Strafverteidiger in Bochum. Mandanten vertreten wir auch in Dortmund, Essen und im übrigen Ruhrgebiet.

Im ersten Gespräch schildern Sie uns Ihren Fall, und wir sagen Ihnen offen, was auf Sie zukommen kann.

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