Rechtsanwalt Strafrecht Bochum · EncroChat

EncroChat-Verfahren: Was Beschuldigte tun sollten

Was bedeutet ein EncroChat-Verfahren für Sie, und wie verhalten Sie sich richtig? Ihr Strafverteidiger in Bochum erklärt Vorwürfe, Verwertbarkeit und Verteidigungsansätze.

Kurz gesagt

  • Wenn gegen Sie ein EncroChat-Verfahren läuft, stützt sich die Staatsanwaltschaft meist auf Chatnachrichten, die französische Behörden abgegriffen und an Deutschland übermittelt haben. Die Gerichte haben diese Daten in aller Regel als verwertbar eingestuft.
  • Verteidigen lässt sich trotzdem. Entscheidend sind die Zuordnung der Nachrichten zu Ihrer Person, der Inhalt der Chats, die Menge und die Rolle, die Ihnen vorgeworfen wird.
  • Wer ein Schreiben der Polizei oder eine Durchsuchung erhält, sollte nichts sagen und zuerst einen Strafverteidiger einschalten.

Was ist EncroChat und wie kam es zu den Verfahren?

EncroChat war ein Anbieter besonders verschlüsselter Handys („Krypto-Handys“). Er warb mit Abhörsicherheit und wurde nach den Erkenntnissen der Ermittler stark von kriminellen Netzwerken genutzt, vor allem für den Handel mit Betäubungsmitteln, aber auch für Waffengeschäfte und Gewalttaten. Französischen Behörden gelang es gemeinsam mit niederländischen Ermittlern und unter Beteiligung von Europol, die Server zu infiltrieren und über eine Schadsoftware auf den Geräten die Nachrichten mitzulesen. Die Erkenntnisse wurden an andere Staaten weitergegeben, auch an Deutschland. Es geht um mehrere tausend Ermittlungsverfahren, viele davon wegen des Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.

Welche Vorwürfe stehen typischerweise im Raum?

Meist geht es um Betäubungsmittelstraftaten. Die Mindeststrafen sind hoch, minder schwere Fälle kommen aber in Betracht:

1 JahrHandeltreiben mit nicht geringer Menge (§ 29a BtMG)
2 JahreBandenmäßiges Handeltreiben (§ 30 BtMG)
5 JahreBewaffnetes oder bandenmäßiges Handeltreiben mit nicht geringer Menge (§ 30a BtMG)

Dazu kommen je nach Fall Einfuhr oder Beihilfe, Waffendelikte und Geldwäsche. Bei Cannabis gilt nicht mehr das Betäubungsmittelgesetz, sondern das Konsumcannabisgesetz. Das verändert Strafrahmen und rechtliche Fragen (siehe Cannabis und Strafrecht). Ein Verfahren beginnt oft mit einer Durchsuchung (siehe Hausdurchsuchung: Wie verhalte ich mich richtig?) oder einer Festnahme. Danach folgen die Auswertung der Geräte, die Akteneinsicht und die Anklage.

Sind die EncroChat-Daten vor Gericht verwertbar?

Nach deutschem Recht ist die Überwachung der Telekommunikation grundsätzlich nur mit richterlicher Anordnung zulässig (§§ 100a, 100e StPO). Eine solche Anordnung gab es für die in Frankreich erhobenen Daten nicht. Deshalb wurde von Beginn an gefragt, ob ein Beweisverwertungsverbot besteht.

Die Rechtsprechung

  • Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass die Daten verwertet werden dürfen.
  • Der Europäische Gerichtshof hat zur Europäischen Ermittlungsanordnung entschieden, dass für die Anforderung der Daten kein Richter nötig ist. Die Verwertung muss aber dem fairen Verfahren und den Verteidigungsrechten genügen.
  • Das Bundesverfassungsgericht hat eine Verfassungsbeschwerde gegen die Verwertung nicht zur Entscheidung angenommen und keine generellen Verwertungsverbote angenommen.

Was das bedeutet

  • Die pauschale Behauptung, die Daten seien nicht verwertbar, führt in der Regel nicht weiter.
  • Es kommt auf den Einzelfall an: Verdacht einer Katalogtat, Herkunft der Daten und die Möglichkeiten der Verteidigung, Beweise zu überprüfen.

Die Einzelheiten der Rechtsprechung finden Sie im Beitrag EncroChat-Daten als Beweis: Sind sie verwertbar?.

Wo setzt die Verteidigung an?

AnsatzWorauf es ankommt
ZuordnungWer hat das Gerät benutzt? Das Gericht muss einen konkreten Nutzer zuordnen. Ein Alias oder Handle belegt für sich genommen nicht, wer die Person ist. Hinweise liefern Telefonnummern, Zahlungen, Fotos und Aufenthaltsorte.
Inhalt der NachrichtenChats sind oft in Codes oder Abkürzungen verfasst. Mengen, Preise und Beteiligte müssen belegt und dürfen nicht nur vermutet werden.
Tatvorwurf und RolleHandeltreiben, Beihilfe, Eigenkonsum oder bloße Gespräche ohne Umsetzung sind rechtlich sehr verschieden.
Beweiswürdigung und ProzessrechtFehler bei der Beweiserhebung, fehlende Rohdaten oder Lücken in der Aktenführung können eine Rolle spielen.
StrafzumessungMinder schwere Fälle, Geständnis, Aufklärungshilfe nach § 31 BtMG, Verfahrensdauer und Suchtproblematik (siehe § 35 BtMG: Therapie statt Strafe) können die Strafe erheblich beeinflussen.

Ob ein Geständnis, eine Einlassung oder Schweigen die bessere Strategie ist, lässt sich erst nach Akteneinsicht beurteilen. Bis dahin gilt das Schweigerecht (siehe Schweigerecht des Beschuldigten).

Pflichtverteidiger: Wann das Gericht einen Verteidiger bestellt

Bei schweren Vorwürfen gilt die notwendige Verteidigung (§ 140 StPO). Das Gericht muss dann einen Pflichtverteidiger bestellen, wenn Sie keinen Wahlverteidiger haben. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Ihnen ein Verbrechen vorgeworfen wird (Mindeststrafe ein Jahr, wie bei § 29a BtMG) oder wenn Sie sich in Untersuchungshaft befinden. Sie können in der Regel selbst einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens vorschlagen (§ 142 StPO). Je früher ein Verteidiger bestellt ist, desto besser sind die Einflussmöglichkeiten auf das Verfahren. Mehr dazu unter Pflichtverteidiger im Strafrecht.

Was sollten Beschuldigte tun?

  1. Ruhe bewahren und nichts sagen. Weder bei der Polizei noch gegenüber Bekannten oder Mitbeschuldigten.
  2. Nichts löschen, nichts vernichten. Das kann den Verdacht verstärken und hilft meist nicht.
  3. Kein Kontakt zu Mitbeschuldigten über Chat oder Telefon, auch nicht über Dritte.
  4. Unterlagen sichern: Durchsuchungsbeschluss, Beschlagnahmeverzeichnis, Ladungen.
  5. Sofort einen Strafverteidiger kontaktieren. Wir beantragen Akteneinsicht, prüfen Haftgründe, Beweislage und Verwertbarkeit und besprechen mit Ihnen die Strategie.

Was sollten Sie beachten?

Ein Strafverteidiger in Bochum, etwa ein Fachanwalt für Strafrecht, kann auch von Angehörigen beauftragt werden. Das gilt besonders, wenn eine Festnahme erfolgt ist.

FAQ

Häufige Fragen zu EncroChat-Verfahren

Ein Anbieter besonders verschlüsselter Handys. Französische Behörden haben die Server infiltriert und die Nachrichten mitgelesen. Die Erkenntnisse gingen an andere Staaten, auch an Deutschland.

Der Besitz eines solchen Geräts ist für sich genommen nicht strafbar. Strafbar ist, was über das Gerät verabredet oder abgewickelt wurde. Allerdings kann die Nutzung ein Indiz für den Verdacht sein.

Nein. Nach der Rechtsprechung dürfen sie in den Verfahren verwertet werden.

Bei dem Vorwurf von Handel in nicht geringer Menge ist Untersuchungshaft häufig, aber nicht zwingend. Es müssen dringender Tatverdacht und ein Haftgrund vorliegen, zum Beispiel Fluchtgefahr.

Das hängt von Menge, Rolle und Vorwurf ab. Bei Handeltreiben in nicht geringer Menge beträgt die Mindeststrafe ein Jahr, bei bandenmäßiger Begehung zwei Jahre und bei bewaffnetem oder bandenmäßigem Handeltreiben mit nicht geringer Menge fünf Jahre. Minder schwere Fälle können niedriger bestraft werden.

Nicht, bevor ein Verteidiger Akteneinsicht hatte. Danach lässt sich entscheiden, ob Schweigen, eine Einlassung oder ein Geständnis die beste Strategie ist.

Ja. Angehörige können einen Verteidiger beauftragen, auch ohne dass der Beschuldigte sich zuvor geäußert hat.

Auch hier hat der BGH die Verwertung der Chats bejaht. Maßgeblich bleibt der Einzelfall. Mehr dazu im Beitrag zur Verwertbarkeit der Daten.

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Beweise

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Sind die Chats verwertbar?

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Hausdurchsuchung

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Sie suchen einen Strafverteidiger, einen Rechtsanwalt für Strafrecht oder einen Fachanwalt für Strafrecht in Bochum? Wir sind auf das Strafrecht spezialisiert und bundesweit tätig, beide Anwälte sind Fachanwälte für Strafrecht. Wir kennen die Besonderheiten der EncroChat-Verfahren, beantragen Akteneinsicht und verteidigen Sie bei Durchsuchung, Haftprüfung und vor Gericht. Mehr zu unserem Angebot finden Sie auf der Seite Strafverteidiger in Bochum. Wir vertreten Mandanten auch in Dortmund, Essen und im gesamten Ruhrgebiet.

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